Atem verstehen · 3 Min. Lesezeit
Wie oft und wie lange solltest du Atemübungen machen?
Wie oft am Tag, wie viele Minuten, wie viele Runden? Feste Regeln gibt es nicht. Aber die Studien zeigen, in welchem Rahmen Atemübungen untersucht wurden, und sie geben eine überraschende Antwort auf die Frage, ob mehr auch mehr hilft.
Das Wichtigste in Kürze
- Untersucht wurden eine Minute im Moment, fünf Minuten täglich über einen Monat und fünfzehn Minuten jeden Abend über 30 Tage.
- Mehr hilft nicht nachweislich mehr: In einer Meta-Analyse hing die Wirkung auf Stress nicht davon ab, wie lange oder wie oft geübt wurde.
- Dranbleiben zählt: In der Stanford-Studie wuchs der Effekt des Seufzens auf die Stimmung mit der Zahl der Übungstage.
- Mein Vorschlag: eine kurze Übung, wenn es eng wird, und fünf bis fünfzehn ruhige Minuten an den meisten Tagen.
So lange wurde in den Studien geübt
Die Studien, auf die sich meine Artikel stützen, haben sehr unterschiedlich lange geübt:
- Eine Minute Seufzen oder Box Breathing, wenn es im Alltag eng wurde.1
- Drei kurze Durchgänge 4-7-8 mit Pausen dazwischen, zusammen etwa sechs Minuten Atmen.2
- Fünf Minuten täglich zu Hause, einen Monat lang.3
- Fünfzehn Minuten langsames Atmen jeden Abend, 30 Tage lang.4
Alle vier Ansätze haben gemessene Effekte gezeigt, auf Stimmung, momentane Ängstlichkeit, Herzratenvariabilität oder die eigene Einschätzung des Schlafs. Eine einzige richtige Dosis lässt sich daraus nicht ablesen.
Hilft mehr auch mehr?
Das hat eine Meta-Analyse über zwölf randomisierte Studien geprüft. Sie fand keinen statistisch klaren Zusammenhang zwischen der Wirkung auf Stress und der Gesamtdauer, der Zahl der Übungseinheiten oder der Häufigkeit. Die Zusammenhänge zeigten zwar in die erwartete Richtung, waren aber nicht signifikant.5 Auch einzelne Einheiten können schon etwas verändern: Langsames Atmen steigert die Herzratenvariabilität während der Übung, direkt danach und nach mehreren Einheiten.6
Auf der anderen Seite lohnt sich Dranbleiben: In der Stanford-Studie wuchs der Effekt des zyklischen Seufzens auf die Stimmung, je mehr Tage die Teilnehmenden geübt hatten. Im Schnitt übten sie an knapp 20 von 28 Tagen und etwa sechs Minuten pro Tag.3
Kurz und regelmässig ist ein besserer Plan als lang und selten. Die Wirkung hängt nach heutigem Wissen nicht an der Minute mehr.
Mein Vorschlag
- Wenn es eng wird: ein bis drei physiologische Seufzer oder eine Minute ruhiges Atmen.
- Als Gewohnheit: fünf Minuten an den meisten Tagen, am besten zu einer festen Gelegenheit, etwa nach dem Zähneputzen.
- Abends zum Runterkommen: zehn bis fünfzehn Minuten im Bett, ohne Bildschirm, wie in den Atemübungen zum Einschlafen.
- Ausgelassene Tage lässt du einfach aus. Warum Serien beim Dranbleiben eher schaden können, steht im Artikel Üben ohne Serie.
Das ist ein Rahmen aus den Studien, keine Vorschrift. Wichtiger als jede Zahl ist, dass sich die Übung gut anfühlt.
Kann man es übertreiben?
Mit ruhigen Übungen kaum, solange du sanft atmest. Wer sehr tief oder schnell atmet, atmet zu viel: Dann wird dir schwindelig oder es kribbelt in Händen oder Lippen. Atme dann eine Weile normal. Übungen mit Atempausen machst du nie im oder am Wasser und nie am Steuer.
Häufige Fragen
- Wie oft am Tag sind Atemübungen sinnvoll?
- Kurze Übungen wie der Seufzer so oft, wie du magst. Für eine ruhige Übung reicht einmal am Tag; in der Stanford-Studie waren es fünf Minuten täglich.3
- Morgens oder abends?
- Beides geht. Untersucht wurde zum Beispiel eine Abendroutine mit fünfzehn Minuten langsamem Atmen.4 Morgens oder mittags passt eine kürzere Übung als kleine Pause.
- Wie schnell merke ich etwas?
- In der Stanford-Studie fühlten sich die Teilnehmenden schon direkt nach der täglichen Übung weniger ängstlich und besser gestimmt, und der Effekt auf die Stimmung wuchs über die Wochen.3
- Muss ich jeden Tag üben?
- Nein. Die Teilnehmenden der Stanford-Studie übten im Schnitt an knapp 20 von 28 Tagen.3 Regelmässig heisst nicht lückenlos.
Dieser Artikel informiert allgemein über Atemübungen für Entspannung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. nowa ist kein Medizinprodukt. Übe nur, solange es sich angenehm anfühlt. Wenn dir schwindelig wird, du Atemnot, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder starke Angst bemerkst: Hör auf und atme normal weiter. Wenn du eine Erkrankung hast (zum Beispiel am Herzen, an der Lunge oder Epilepsie) oder schwanger bist, sprich vor neuen Atemübungen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ändere eine verordnete Behandlung nie auf eigene Faust.
Quellen
- Riedl EM, Bracklo T, Wimmer K, Perzl J, Gdynia HJ, Thomas J, Surzykiewicz J (2026). Simply breathing anxiety away? A pilot, just-in-time ecological momentary intervention study of one-minute cyclic sighing versus box breathing as tools for acute anxiety reduction and attention promotion in real life. Anxiety, Stress, & Coping 39(5):608–622. doi.org/10.1080/10615806.2026.2659809
Vorab registrierte Pilotstudie im Alltag, 47 Studierende - Vierra J, Boonla O, Prasertsri P (2022). Effects of sleep deprivation and 4-7-8 breathing control on heart rate variability, blood pressure, blood glucose, and endothelial function in healthy young adults. Physiological Reports 10(13):e15389. doi.org/10.14814/phy2.15389
Laborstudie, 43 gesunde junge Erwachsene, einmalige Übung - Balban MY, Neri E, Kogon MM, Weed L, Nouriani B, Jo B, Holl G, Zeitzer JM, Spiegel D, Huberman AD (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine 4(1):100895. doi.org/10.1016/j.xcrm.2022.100895
Randomisierte Studie, online, 108 gesunde Erwachsene, ein Monat - Laborde S, Hosang T, Mosley E, Dosseville F (2019). Influence of a 30-day slow-paced breathing intervention compared to social media use on subjective sleep quality and cardiac vagal activity. Journal of Clinical Medicine 8(2):193. doi.org/10.3390/jcm8020193
Randomisierte Studie, 64 gesunde junge Erwachsene, 30 Tage - Fincham GW, Strauss C, Montero-Marin J, Cavanagh K (2023). Effect of breathwork on stress and mental health: a meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports 13:432. doi.org/10.1038/s41598-022-27247-y
Meta-Analyse, 12 randomisierte Studien zu Stress mit 785 Erwachsenen - Laborde S, Allen MS, Borges U, Dosseville F, Hosang TJ, Iskra M, Mosley E, Salvotti C, Spolverato L, Zammit N, Javelle F (2022). Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability: a systematic review and a meta-analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews 138:104711. doi.org/10.1016/j.neubiorev.2022.104711
Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 223 Studien
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