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Zu zweit · 4 Min. Lesezeit

Fernbeziehung: ein ruhiges Abendritual, das kein weiterer Call ist

In einer Fernbeziehung wird der Abend oft zum nächsten Termin: noch ein Videocall, noch mal erzählen, was war. Manchmal möchte man einfach nur zusammen sein, ohne zu reden. Hier steht, was die Forschung über Fernpaare und Rituale weiss, was nicht, und wie ein ruhiges Abendritual ohne Kamera aussehen kann.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Fernbeziehungen sind nicht schlechter: In grossen Befragungen schnitten sie gleich gut oder in manchen Punkten etwas besser ab.
  • Videocalls hingen in einer Befragung weder positiv noch negativ mit der Zufriedenheit zusammen. Sie sind also weder Pflicht noch Problem.
  • Rituale gehen mit mehr Zufriedenheit einher, vor allem wenn beide sie als ihr gemeinsames Ritual sehen. Ob sie die Ursache sind, ist offen.
  • Gemeinsam atmen über Distanz ist technisch machbar. Dass es Paare näher bringt, hat noch niemand untersucht.

Fernbeziehungen sind nicht schlechter

Das hört man selten, aber die Forschung ist ziemlich eindeutig. In einer repräsentativen Befragung mit 870 Personen berichteten Menschen in Fernbeziehungen im Schnitt sogar etwas höhere Beziehungsqualität. Getrennt haben sie sich bis zur Folgebefragung allerdings genauso oft wie andere.1 Eine Befragung von 1.142 Personen fand kaum Unterschiede und keinen Nachteil für Fernbeziehungen.2

In einer Tagebuchstudie mit 63 Paaren fühlten sich Fernpaare pro Kontakt etwas näher als Paare am selben Ort. Die Forschenden erklären das mit mehr Offenheit, aber auch damit, dass man den anderen auf Distanz leichter idealisiert.3 Das ist also kein reines Lob der Entfernung.

Und die Videocalls?

In einer Befragung von 647 jungen Erwachsenen hing häufiges und schnelles Schreiben in Fernbeziehungen mit höherer Zufriedenheit zusammen. Videoanrufe hingen dagegen weder positiv noch negativ mit der Zufriedenheit zusammen, in Fern- wie in Nahbeziehungen.4 Ein Videocall ist also weder Pflicht noch Problem. Manchmal tut aber etwas anderes gut: zusammen sein, ohne zu reden und ohne Kamera.

Warum Rituale

Eine Routine ist, was man regelmässig tut. Ein Ritual ist eine Routine, die für beide etwas bedeutet.5 Paare mit eigenen Ritualen berichten in Befragungen mehr positive Gefühle und mehr Zufriedenheit. Wichtig dabei: Der Vorteil zeigte sich nur, wenn beide übereinstimmend sagten, dass sie ein Ritual haben. Derselbe wöchentliche Abend kann für ein Paar ein Ritual sein und für ein anderes nur Routine.6

Fachleute beschreiben, dass Rituale Gefühle ordnen und Verbundenheit stiften können.7 Ob Rituale eine Beziehung tatsächlich verbessern, zeigen diese Befragungen allerdings nicht. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.

Gemeinsam atmen über Distanz: was man weiss

Technisch geht das. In einer Laborstudie passten 14 Personen ihre Atmung ohne Aufforderung an ein angezeigtes Atemmuster an.8 Zwei einander fremde Menschen in getrennten Räumen konnten ihre Atmung aufeinander abstimmen, wenn sie die Atemkurve des anderen sahen. Mit Fragebögen zur Verbundenheit hing das aber nicht zusammen.9 Und als junge Erwachsene glaubten, gleichzeitig mit anderen dasselbe Video zu sehen, fühlten sie sich ihnen nicht verbundener.10

Ehrlich gesagt: Ob gemeinsames Atmen über Distanz Paare näher bringt, hat noch niemand untersucht. Was es sein kann, ist ein ruhiger, gemeinsamer Moment am Ende des Tages, wenn ihr beide das wollt.

So kann ein Abendritual aussehen

Das sind Vorschläge, keine Studienergebnisse:

  • Eine feste Zeit, die für beide passt, auch über Zeitzonen hinweg.
  • Kurz: drei bis fünf Minuten reichen. Ein Ritual soll leicht sein, nicht noch ein Termin.
  • Ohne Bildschirm-Gespräch: kein Chat, keine Kamera. Jede Person an ihrem eigenen Telefon, irgendwo bequem.
  • Etwas, das ihr beide wählt, ruhiges Atmen, ein Lied, ein Satz zum Tag. Wichtig ist, dass es für euch beide etwas bedeutet.
Schema: Zwei Kreise an zwei Orten atmen zuerst in verschiedenem Tempo, gleichen sich dann an und verschmelzen schliesslich zu einem gemeinsamen Atem. Du Sam gleicht euch an ein gemeinsamer Takt
  1. Zwei Telefone, zwei Orte. Jede Person tippt ihr eigenes Atemtempo ein.
  2. In der ersten Minute gleicht ihr euch langsam an.
  3. Danach atmet ihr denselben Takt, und die zwei Kreise verschmelzen zu einem.
So sieht Duett in nowa aus: kein Chat, keine Kamera, kein Mikrofon. Ob gemeinsames Atmen Paare näher bringt, ist nicht untersucht.

Atme ruhig und natürlich, nicht tief. Wird dir schwindelig oder kribbelt es in Händen oder Lippen, atme normal weiter. Ein Atemritual ersetzt keine Paarberatung; wenn euch etwas dauerhaft belastet, kann ein Gespräch mit einer Fachperson helfen.

Häufige Fragen

Was kann man in einer Fernbeziehung abends zusammen machen, ohne zu telefonieren?
Zum Beispiel ein kurzes, festes Ritual: gemeinsam ruhig atmen, dasselbe Lied hören oder sich einen Satz zum Tag schicken. Entscheidend ist, dass es für euch beide etwas bedeutet.6
Sind Fernbeziehungen schlechter als Beziehungen am selben Ort?
Nein. In grossen Befragungen schnitten sie gleich gut oder in manchen Punkten etwas besser ab.1, 2
Wie oft sollte man in einer Fernbeziehung videotelefonieren?
Dafür gibt es keine Regel. Videoanrufe hingen in einer Befragung nicht mit der Zufriedenheit zusammen.4 Macht es so, wie es euch beiden guttut.
Wie funktioniert Duett in nowa?
Jede Person tippt ihr eigenes Atemtempo ein. In der ersten Minute gleicht ihr euch an, danach atmet ihr denselben Takt. Ihr seht nur euren Atem: beim Angleichen als zwei Kreise, im gemeinsamen Takt verschmelzen sie zu einem.

Dieser Artikel informiert allgemein über Atemübungen für Entspannung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. nowa ist kein Medizinprodukt. Übe nur, solange es sich angenehm anfühlt. Wenn dir schwindelig wird, du Atemnot, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder starke Angst bemerkst: Hör auf und atme normal weiter. Wenn du eine Erkrankung hast (zum Beispiel am Herzen, an der Lunge oder Epilepsie) oder schwanger bist, sprich vor neuen Atemübungen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ändere eine verordnete Behandlung nie auf eigene Faust.

Quellen

  1. Kelmer G, Rhoades GK, Stanley S, Markman HJ (2013). Relationship quality, commitment, and stability in long-distance relationships. Family Process 52(2):257–270. doi.org/10.1111/j.1545-5300.2012.01418.x
    Befragung mit Folgemessung, 870 Personen
  2. Dargie E, Blair KL, Goldfinger C, Pukall CF (2015). Go long! Predictors of positive relationship outcomes in long-distance dating relationships. Journal of Sex & Marital Therapy 41(2):181–202. doi.org/10.1080/0092623X.2013.864367
    Befragung, 1.142 Personen
  3. Jiang LC, Hancock JT (2013). Absence makes the communication grow fonder: geographic separation, interpersonal media, and intimacy in dating relationships. Journal of Communication 63(3):556–577. doi.org/10.1111/jcom.12029
    Tagebuchstudie, 63 Paare, eine Woche
  4. Holtzman S, Kushlev K, Wozny A, Godard R (2021). Long-distance texting: text messaging is linked with higher relationship satisfaction in long-distance relationships. Journal of Social and Personal Relationships 38(12):3543–3565. doi.org/10.1177/02654075211043296
    Befragung, 647 junge Erwachsene
  5. Fiese BH, Tomcho TJ, Douglas M, Josephs K, Poltrock S, Baker T (2002). A review of 50 years of research on naturally occurring family routines and rituals: cause for celebration? Journal of Family Psychology 16(4):381–390. doi.org/10.1037/0893-3200.16.4.381
    Übersicht, 32 Arbeiten
  6. Garcia-Rada X, Sezer O, Norton MI (2019). Rituals and nuptials: the emotional and relational consequences of relationship rituals. Journal of the Association for Consumer Research 4(2):185–197. doi.org/10.1086/702761
    Vier Studien, Befragungen
  7. Hobson NM, Schroeder J, Risen JL, Xygalatas D, Inzlicht M (2018). The psychology of rituals: an integrative review and process-based framework. Personality and Social Psychology Review 22(3):260–284. doi.org/10.1177/1088868317734944
    Übersichtsartikel
  8. Frey J, Grabli M, Slyper R, Cauchard JR (2018). Breeze: sharing biofeedback through wearable technologies. Proceedings of the 2018 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 1–12. doi.org/10.1145/3173574.3174219
    Laborstudie, 14 Personen
  9. Konvalinka I, Sebanz N, Knoblich G (2026). The social, decoupled self: interpersonal synchronization of breathing alters intrapersonal cardiorespiratory coupling. Annals of the New York Academy of Sciences 1559(1):e70285. doi.org/10.1111/nyas.70285
    Zwei Laborexperimente mit einander unbekannten Personen
  10. Wolf W, Dotson K (2025). Online experience sharing without explicit social interaction does not foster social bonding. Cyberpsychology: Journal of Psychosocial Research on Cyberspace 19(1), Artikel 3. doi.org/10.5817/CP2025-1-3
    Vorab registriertes Online-Experiment, 144 junge Erwachsene

Alle Quellen zuletzt geprüft am 28. Oktober 2026. Einen Fehler gefunden? Schreib an support@nowabreathing.com, ich korrigiere ihn und vermerke es hier.