Nase und Buteyko · 3 Min. Lesezeit
Mund-Tape beim Schlafen: was die Studien wirklich sagen
Den Mund nachts mit Tape verschliessen, damit man durch die Nase atmet: In sozialen Medien klingt das nach einem einfachen Trick für besseren Schlaf, mehr Energie und ein schärferes Kinn. Hier steht, was die Forschung dazu tatsächlich hergibt, wo die Risiken liegen und was du stattdessen tun kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Studienlage ist dünn: Eine Übersicht von 2025 fand zehn kleine Studien, alle von schlechter Qualität und alle an Menschen mit Schlafapnoe oder Mundatmung. An Gesunden gibt es keine.
- Die Versprechen aus sozialen Medien, etwa mehr Energie, bessere Zähne oder ein anderes Kinn, sind nicht untersucht.
- Das Risiko: Mehrere Forschungsteams warnen vor Erstickungsgefahr, etwa bei verstopfter Nase oder Erbrechen.
- Besser: Tagsüber Nasenatmung üben, eine dauerhaft verstopfte Nase abklären lassen und Schnarchen ärztlich anschauen lassen.
Ein Trend mit viel Werbung
Mund-Tape ist vor allem ein Social-Media-Phänomen. Eine Auswertung von 390 Instagram-Reels mit dem Hashtag #mouthtape fand: 94 Prozent befürworteten das Tape, mehr als die Hälfte stammte von Firmen, nur 12 Prozent von medizinischem Fachpersonal.1 Auf TikTok versprechen die Videos vor allem besseren Schlaf und gesündere Zähne. Untersucht sind die wenigsten dieser Versprechen.2
Was die Studien zeigen
Eine systematische Übersicht von 2025 fand nur zehn Studien zum Verschliessen des Mundes im Schlaf, mit Tape oder Kinnband. Alle untersuchten Erwachsene mit Schlafapnoe oder Mundatmung, zusammen rund 200 Personen. Keine untersuchte gesunde Menschen, Kinder oder Schwangere. Die Qualität aller zehn Studien war schlecht.3
- Zehn Studien hat eine Übersicht von 2025 gefunden, mit je 9 bis 71 Erwachsenen mit Schlafapnoe oder Mundatmung. Keine an Gesunden.
- Nur zwei kleine Studien ohne Vergleichsgruppe fanden Veränderungen. Die übrigen fanden keinen Unterschied.
- Vier Studienteams warnen ausdrücklich vor Erstickungsgefahr, etwa bei verstopfter Nase oder Erbrechen.
- Die Qualität aller zehn Studien war schlecht.
Nur zwei kleine Studien ohne Vergleichsgruppe fanden Veränderungen, die übrigen keinen Unterschied. Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Die Daten stützen Mund-Tape nicht als sinnvolle Massnahme.3 Eine zweite Übersicht von 2026 fand ebenfalls nur diese zwei Studien.4 Für die Versprechen aus den sozialen Medien, etwa mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder ein anderes Kinn, gibt es keine Studien.2
Die Risiken
Vier der zehn Forschungsteams warnen ausdrücklich: Ein verschlossener Mund kann gefährlich werden, wenn die Nase zu ist oder man sich übergeben muss. Viele Studien haben Menschen mit verstopfter Nase deshalb gar nicht erst aufgenommen.3
Ausserdem ist Mundatmung im Schlaf nicht immer eine schlechte Angewohnheit. Manchmal ist sie ein Umweg, den der Körper braucht. In einer Studie mit 54 Menschen mit Schlafapnoe bekamen ausgerechnet diejenigen, die im Schlaf am meisten durch den Mund atmeten, weniger Luft, wenn man ihren Mund schloss.5 Wer nachts durch den Mund atmet, sollte deshalb erst herausfinden, warum.
Was du stattdessen tun kannst
- Tagsüber üben. Nasenatmung lässt sich in ruhigen Momenten am Tag einüben. Wie, steht im Artikel Nasenatmung trainieren.
- Die Nase abklären lassen, wenn sie dauerhaft zu ist. Für kurzfristig verstopfte Nasen gibt es eine eigene Übung; mehr im Artikel über die Freie Nase.
- Schnarchen ernst nehmen. Ob Atemaussetzer im Schlaf vorliegen, zeigt nur eine Schlafuntersuchung, kein Fragebogen und kein Selbsttest.6
Verschliesse den Mund nie, wenn deine Nase verstopft ist, du erkältet bist, Heuschnupfen hast oder dir übel ist. Ist die Nase im Schlaf verschlossen, wird die Atmung schlechter, in Experimenten auch bei vorher Gesunden.4 Schnarchst du laut, hat jemand Atemaussetzer bemerkt oder bist du tagsüber sehr müde, lass das ärztlich abklären, statt es mit Tape zu versuchen. Nutzt du eine CPAP-Maske, sprich vor jedem Tape mit deinem Schlaflabor. Bei Kindern nie. Für die Schwangerschaft gibt es keine Sicherheitsdaten.7
Häufige Fragen
- Ist Mund-Tape gefährlich?
- Bei verstopfter Nase oder Erbrechen warnen mehrere Forschungsteams vor Erstickungsgefahr.3 Wer im Schlaf stark durch den Mund atmet, bekommt mit geschlossenem Mund womöglich weniger Luft.5
- Hilft Mund-Tape gegen Schnarchen?
- Für gesunde Menschen, die schnarchen, gibt es keine Studie. Lautes Schnarchen gehört ärztlich abgeklärt, denn nur eine Schlafuntersuchung zeigt, ob Atemaussetzer dahinterstecken.6
- Verbessert Mund-Tape den Schlaf, die Zähne oder das Kinn?
- Dafür gibt es keine Studien. Diese Versprechen stammen aus sozialen Medien, zu einem grossen Teil von Firmen, die Tape verkaufen.2, 1
- Was ist mit sanftem Tape, das nur einen Spalt offen lässt?
- Verglichen wurden verschiedene Tapes in keiner Studie. Die Warnungen gelten für jedes Verschliessen des Mundes.
Dieser Artikel informiert allgemein über Atemübungen für Entspannung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. nowa ist kein Medizinprodukt. Übe nur, solange es sich angenehm anfühlt. Wenn dir schwindelig wird, du Atemnot, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder starke Angst bemerkst: Hör auf und atme normal weiter. Wenn du eine Erkrankung hast (zum Beispiel am Herzen, an der Lunge oder Epilepsie) oder schwanger bist, sprich vor neuen Atemübungen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ändere eine verordnete Behandlung nie auf eigene Faust.
Quellen
- Bizzoca ME, Durante C, Santos FJV, Musella G, Lo Muzio L, Trecca E, Lucchese A, Caponio VCA (2026). The spread of non-evidence-based health claims on social media: the case of #mouthtape on Instagram, a cross-sectional study. Dentistry Journal 14(7):418. doi.org/10.3390/dj14070418
Querschnittsstudie, 390 Instagram-Reels - Fangmeyer SK, Badger CD, Thakkar PG (2025). Nocturnal mouth-taping and social media: a scoping review of the evidence. American Journal of Otolaryngology 46(1):104545. doi.org/10.1016/j.amjoto.2024.104545
Übersichtsarbeit mit Auswertung von TikTok-Videos - Rhee J, Iansavitchene A, Mannala S, Graham ME, Rotenberg B (2025). Breaking social media fads and uncovering the safety and efficacy of mouth taping in patients with mouth breathing, sleep disordered breathing, or obstructive sleep apnea: a systematic review. PLoS One 20(5):e0323643. doi.org/10.1371/journal.pone.0323643
Systematische Übersicht, 10 Studien - Alshehri NA, Alsaif NF, Abdulrazaq AN, Jabor RM, Al-Sayed AA (2026). Impact of nasal obstruction and mouth taping on sleep apnea indicators: systematic review and meta-analysis. OTO Open 10(3):e70294. doi.org/10.1002/oto2.70294
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 17 Studien - Yang H, Huyett P, Wang TY, Sumner J, Azarbarzin A, Labarca GPT, Messineo L, Gell LK, et al. (2024). Mouth closure and airflow in patients with obstructive sleep apnea: a nonrandomized clinical trial. JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery 150(11):1012–1019. doi.org/10.1001/jamaoto.2024.3319
Klinische Studie, 54 Menschen mit Schlafapnoe - Kapur VK, Auckley DH, Chowdhuri S, Kuhlmann DC, Mehra R, Ramar K, Harrod CG (2017). Clinical practice guideline for diagnostic testing for adult obstructive sleep apnea: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. Journal of Clinical Sleep Medicine 13(3):479–504. doi.org/10.5664/jcsm.6506
Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Schlafmedizin - Babbar S, Maulik D (2026). Nasal breathing in pregnancy: a narrative review of physiology, dysregulation and therapeutic interventions. Journal of Maternal-Fetal & Neonatal Medicine 39(1):2728784. doi.org/10.1080/14767058.2026.2728784
Übersichtsartikel
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