Schlaf · 6 Min. Lesezeit
Nachts aufgewacht und hellwach: eine ruhige Routine für 3 Uhr
Du wachst mitten in der Nacht auf, und der Kopf springt an. Erst einmal: Das ist normal. Hier steht, was Fachleute für Schlafmedizin raten und was die Forschung weiss und was nicht. Dazu gibt es eine gedimmte Atemkugel. Am besten übst du mit ihr tagsüber, damit du die Übung nachts ohne Bildschirm kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Aufwachen ist normal: Gesunde wachen jede Nacht mehrmals auf und schlafen meist innerhalb weniger Minuten wieder ein. Mit dem Alter wird der Schlaf unruhiger.
- Lass die Uhr weg: Wer beim Einschlafen auf eine Uhr schauen sollte, machte sich in einem Experiment mehr Sorgen und brauchte länger.
- Liegst du länger hellwach, raten Fachleute: kurz aufstehen, wenig Licht, kein Bildschirm, erst müde zurück ins Bett.
- Atmen ist kein Schlafmittel: Zum Wiedereinschlafen gibt es keine Studie. Eine ruhige Übung kann aber ein guter Fokus sein, statt Uhr, Handy und Grübeln.
Aufwachen gehört zum Schlaf
Schlaf ist keine durchgehende Linie. Auch gesunde Menschen wachen jede Nacht mehrmals kurz auf. Im Schlaflabor schliefen jüngere wie ältere Erwachsene nach vier von fünf nächtlichen Wachphasen innerhalb von zehn Minuten wieder ein. Ältere wachten häufiger auf, schliefen danach aber nicht schlechter wieder ein.1
Mit dem Alter nimmt die Wachzeit zu. Bei 100 gesunden Schläfern lagen die bis 30-Jährigen im Mittel 6 Prozent der Nacht wach, die über 60-Jährigen etwa 15 Prozent.2 Die meisten kurzen Wachphasen vergisst man: In einer Studie erinnerten sich die Teilnehmenden morgens im Mittel erst an Wachphasen, die länger als gut vier Minuten dauerten.3
Du bist damit nicht allein. In einer Befragung in fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland, gab knapp jede dritte Person an, an mindestens drei Nächten pro Woche aufzuwachen. Schwer wieder einzuschlafen fiel 7,7 Prozent.4
Warum ausgerechnet um 3 Uhr?
Dass eine bestimmte Uhrzeit etwas Bestimmtes bedeutet, ist nicht belegt. Es gibt eine nüchterne Erklärung: Wer früh ins Bett geht, hat um 3 oder 4 Uhr oft schon sieben bis acht Stunden geschlafen. So beschreibt es die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin für ältere Menschen. Bei gesunden Menschen über 70 kann der Nachtschlaf laut DGSM sogar bis zu zwei Stunden durch Wachphasen unterbrochen sein. Entscheidend sei, wie man sich tagsüber fühlt.5
Die Routine für die Nacht
Was Fachgesellschaften für Schlafmedizin allgemein raten, lässt sich in vier Schritte fassen:
- Lass die Uhr, wo sie ist. Die Uhrzeit bringt dir nachts nichts ausser Druck.
- Atme ruhig, das Ausatmen etwas länger als das Einatmen. Langsam, nicht tief.
- Merkst du, dass du schon eine Weile hellwach liegst: steh kurz auf. Wenig Licht, etwas Ruhiges, kein Bildschirm.
- Geh erst zurück ins Bett, wenn du wieder müde bist.
Lass die Uhr weg. In einem Experiment sollten Menschen beim Einschlafen eine Uhr im Blick behalten. Sie machten sich mehr Sorgen und brauchten länger zum Einschlafen als die anderen, auch die guten Schläfer.6 Die DGSM rät ausdrücklich, nachts nicht auf den Wecker zu schauen.7
Steh auf, wenn du länger wach liegst. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin nennt etwa 20 Minuten. Dann sollst du aufstehen und etwas Ruhiges tun, mit wenig Licht und vor allem ohne elektronische Geräte.8 Die DGSM rät, etwas Monotones und Entspannendes zu tun und dich erst wieder hinzulegen, wenn du wirklich müde bist.7 Weil du nicht auf die Uhr schauen sollst, schätzt du die Zeit einfach grob.
Hilft eine Atemübung beim Wiedereinschlafen?
Ehrliche Antwort: Das hat noch niemand untersucht. Eine Studie, die Atemübungen beim Wiedereinschlafen mitten in der Nacht bei gesunden Menschen prüft, habe ich nicht gefunden. Am nächsten kommt eine Studie mit 64 gesunden jungen Erwachsenen: Wer 30 Abende lang vor dem Schlafen 15 Minuten langsam atmete, schätzte seine Schlafqualität danach etwas besser ein als die Vergleichsgruppe, die in dieser Zeit soziale Medien nutzte.9 In einer anderen Studie änderten tägliche Atemübungen über einen Monat die gemessenen Schlafwerte nicht.10 Untersucht wurde jeweils die Technik, nicht die nowa-App.
Atmen ist also kein Schlafmittel. Eine ruhige Übung kann aber etwas anderes leisten: Sie gibt deinem Kopf eine einfache Aufgabe, statt Uhr, Handy und Grübeln. Atme dabei langsam und sanft, mit einem etwas längeren Ausatmen. Probier die Kugel tagsüber aus. Nachts zählst du dann im Kopf mit, mit geschlossenen Augen.
Eine Minute, ganz leise
3 Sekunden ein, 6 Sekunden aus
Wenn das Gedankenkarussell läuft
Grübeln hält wach. In einer Studie mussten 70 Menschen am Nachmittag eine Rede vor einem bewertenden Gremium halten. Wer danach viel darüber nachdachte, brauchte in der folgenden Nacht länger zum Einschlafen.11 Was gegen offene Aufgaben im Kopf helfen kann, zeigt ein Experiment im Schlaflabor: Wer vor dem Schlafen fünf Minuten lang eine konkrete To-do-Liste schrieb, schlief im Mittel nach knapp 16 Minuten ein. Wer stattdessen aufschrieb, was er schon erledigt hatte, brauchte etwa 25 Minuten.12 Untersucht wurde das am Abend, nicht mitten in der Nacht. Ein Zettel neben dem Bett schadet aber nicht.
Und das Handy?
Ob ein kurzer Blick aufs Handy nachts das Wiedereinschlafen erschwert, ist nicht untersucht. Belegt ist, dass viel Licht über lange Zeit wirkt: Nach vier Stunden Lesen an einem leuchtenden E-Reader schliefen junge Erwachsene im Mittel knapp zehn Minuten später ein als nach einem gedruckten Buch.13 Der Nachtmodus des iPhones verbesserte den Schlaf in einer Studie mit 167 Studierenden nicht.14 Meine ehrliche Antwort: Lieber nicht, vor allem nicht zum Scrollen oder um nach der Uhrzeit zu sehen. Die Fachgesellschaften raten nachts ohnehin von Bildschirm und Uhr ab.8, 7
Nächtliches Aufwachen ist meist harmlos. Lass es ärztlich abklären, wenn du laut schnarchst und jemand Atemaussetzer bemerkt, wenn du nachts nach Luft schnappend aufwachst, wenn du tagsüber trotz genug Zeit im Bett sehr müde bist oder wenn lange Wachphasen über Wochen bleiben und dich am Tag belasten. Bei anhaltenden Schlafproblemen gibt es gut untersuchte Hilfe; die europäische Leitlinie empfiehlt als erste Behandlung eine kognitive Verhaltenstherapie, persönlich oder als Online-Programm.15
Bei Brustschmerz, starker Atemnot oder Herzrasen ruf die 112 an. Wenn du nachts aufstehst, mach so viel Licht, dass du sicher gehst. Ändere verordnete Medikamente, auch Schlafmittel, nie auf eigene Faust. Und wenn dich das Achten auf den Atem unruhiger macht, hör auf, öffne die Augen und atme normal weiter.
Häufige Fragen
- Ist es normal, jede Nacht aufzuwachen?
- Ja. Gesunde Erwachsene wachen jede Nacht mehrmals kurz auf und schlafen meist innerhalb weniger Minuten wieder ein. Mit dem Alter passiert das häufiger.1, 2
- Warum erinnere ich mich an manche Wachphasen und an andere nicht?
- Kurze Wachphasen werden meist vergessen. In einer Studie lag die Grenze im Mittel bei gut vier Minuten, mit grossen Unterschieden zwischen den Menschen.3
- Soll ich auf die Uhr schauen, um zu wissen, wie lange ich wach bin?
- Besser nicht. Schätz die Zeit grob. Uhr-Beobachten führte im Experiment zu mehr Sorgen und längerem Einschlafen.6
- Wie lange soll ich liegen bleiben, bevor ich aufstehe?
- Die amerikanische Fachgesellschaft nennt etwa 20 Minuten, die DGSM sagt einfach „wenn du länger wach liegst“.8, 7 Ein fester Wert ist nicht wichtig. Wenn du merkst, dass du hellwach bist und dich ärgerst, steh auf.
- Welche Atemübung passt nachts?
- Eine sanfte mit etwas längerem Ausatmen und ohne lange Pausen, etwa 3 Sekunden ein und 6 aus. Langsam heisst nicht tief: Schon sechs Atemzüge pro Minute führten im Labor im Schnitt zu leichtem Überatmen.16 Wird dir schwindelig, atme normal weiter. Mehr Übungen für den Abend stehen im Artikel Atemübungen zum Einschlafen.
- Kann ich mit einer Atemtechnik in 60 Sekunden einschlafen?
- Dafür gibt es keine Studie, auch nicht für die 4-7-8-Atmung oder die sogenannte „Military Method“. Versprechen mit Zeitangabe sind unseriös. Was zur 4-7-8-Atmung bekannt ist, steht im Artikel über die 4-7-8-Atmung.
Dieser Artikel informiert allgemein über Atemübungen für Entspannung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. nowa ist kein Medizinprodukt. Übe nur, solange es sich angenehm anfühlt. Wenn dir schwindelig wird, du Atemnot, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder starke Angst bemerkst: Hör auf und atme normal weiter. Wenn du eine Erkrankung hast (zum Beispiel am Herzen, an der Lunge oder Epilepsie) oder schwanger bist, sprich vor neuen Atemübungen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ändere eine verordnete Behandlung nie auf eigene Faust.
Quellen
- Klerman EB, Wang W, Duffy JF, Dijk DJ, Czeisler CA, Kronauer RE (2013). Survival analysis indicates that age-related decline in sleep continuity occurs exclusively during NREM sleep. Neurobiology of Aging 34(1):309–318. doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2012.05.018
Neuauswertung von Schlaflabor-Studien mit gesunden jüngeren und älteren Erwachsenen - Mitterling T, Högl B, Schönwald SV, Hackner H, Gabelia D, Biermayr M, Frauscher B (2015). Sleep and respiration in 100 healthy Caucasian sleepers: a polysomnographic study according to American Academy of Sleep Medicine standards. Sleep 38(6):867–875. doi.org/10.5665/sleep.4730
Schlaflabor, 100 gesunde Schläfer von 19 bis 77 Jahren - Winser MA, McBean AL, Montgomery-Downs HE (2013). Minimum duration of actigraphy-defined nocturnal awakenings necessary for morning recall. Sleep Medicine 14(7):688–691. doi.org/10.1016/j.sleep.2013.03.018
Studie zu Hause, 39 gesunde Erwachsene - Ohayon MM (2010). Nocturnal awakenings and difficulty resuming sleep: their burden in the European general population. Journal of Psychosomatic Research 69(6):565–571. doi.org/10.1016/j.jpsychores.2010.03.010
Telefonbefragung, 22.740 Menschen in fünf europäischen Ländern - Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), AG Geriatrie (2026). Schlaf im Alter. Ratgeber für Patientinnen und Patienten. dgsm.de (PDF)
Ratgeber einer Fachgesellschaft - Tang NK, Schmidt DA, Harvey AG (2007). Sleeping with the enemy: clock monitoring in the maintenance of insomnia. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry 38(1):40–55. doi.org/10.1016/j.jbtep.2005.07.004
Zwei Experimente; hier zitiert: Experiment mit 30 guten und 30 schlechten Schläfern - Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Tipps für Ihr Schlafverhalten. dgsm.de
Allgemeine Tipps einer Fachgesellschaft - American Academy of Sleep Medicine (2020). Healthy sleep habits. Sleep Education, durchgesehen von S. Hershner und I. Shaikh. sleepeducation.org
Allgemeine Tipps einer Fachgesellschaft - Laborde S, Hosang T, Mosley E, Dosseville F (2019). Influence of a 30-day slow-paced breathing intervention compared to social media use on subjective sleep quality and cardiac vagal activity. Journal of Clinical Medicine 8(2):193. doi.org/10.3390/jcm8020193
Randomisierte Studie, 64 gesunde junge Erwachsene, 30 Abende - Balban MY, Neri E, Kogon MM, Weed L, Nouriani B, Jo B, Holl G, Zeitzer JM, Spiegel D, Huberman AD (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine 4(1):100895. doi.org/10.1016/j.xcrm.2022.100895
Randomisierte Studie, online, 108 gesunde Erwachsene, ein Monat - Zoccola PM, Dickerson SS, Lam S (2009). Rumination predicts longer sleep onset latency after an acute psychosocial stressor. Psychosomatic Medicine 71(7):771–775. doi.org/10.1097/PSY.0b013e3181ae58e8
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Randomisiertes Experiment im Schlaflabor, 57 gesunde junge Erwachsene - Chang AM, Aeschbach D, Duffy JF, Czeisler CA (2015). Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness. Proceedings of the National Academy of Sciences 112(4):1232–1237. doi.org/10.1073/pnas.1418490112
Randomisierte Überkreuzstudie, 12 gesunde junge Erwachsene - Duraccio KM, Zaugg KK, Blackburn RC, Jensen CD (2021). Does iPhone night shift mitigate negative effects of smartphone use on sleep outcomes in emerging adults? Sleep Health 7(4):478–484. doi.org/10.1016/j.sleh.2021.03.005
Randomisierte Studie, 167 Studierende, sieben Nächte - Riemann D, Espie CA, Altena E u. a. (2023). The European Insomnia Guideline: an update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. Journal of Sleep Research 32(6):e14035. doi.org/10.1111/jsr.14035
Europäische Leitlinie - Marchant J, Khazan I, Cressman M, Steffen P (2025). Comparing the effects of square, 4-7-8, and 6 breaths-per-minute breathing conditions on heart rate variability, CO2 levels, and mood. Applied Psychophysiology and Biofeedback 50(2):261–276. doi.org/10.1007/s10484-025-09688-z
Vergleichsstudie im Labor, 84 Studierende
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