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Atemübungen im Büro: kleine Pausen für den Arbeitstag
Zwischen zwei Calls, nach einer E-Mail, die den Puls hochtreibt, oder im Mittagstief: Für eine Atemübung brauchst du keinen ruhigen Raum. Hier sind kurze Übungen, die am Schreibtisch niemandem auffallen, und ein ehrlicher Blick darauf, was sie bringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ins Büro passt: langsam atmen, mit längerem Ausatmen, leise und mit offenen Augen, ohne lange Pausen. Langsam heißt nicht tief.
- Vier Momente: vor dem Call langes Ausatmen, nach einer stressigen E-Mail eine Minute Seufzen, im Mittagstief kurz gehen, zum Feierabend drei ruhige Minuten.
- Was Studien zeigen: In kleinen Studien dämpften kurze Atemübungen den Anstieg von Puls und Anspannung etwas. Bessere Leistung oder weniger Stress über Wochen sind nicht verlässlich belegt.
- Ein Mythos: Die „Bildschirm-Apnoe“ stammt aus einem Blogbeitrag. Gemessen wurde bei Denkarbeit eher das Gegenteil: schnelleres Atmen.
Vier Momente im Arbeitstag
Diese vier Momente eignen sich gut für eine kurze Atempause. Die Vorschläge fassen die Studien weiter unten zusammen:
- Vor einem Call oder Meeting: zwei bis fünf Minuten mit langem Ausatmen, etwa 3 Sekunden ein und 6 aus.
- Nach einer stressigen E-Mail: eine Minute Seufzen, zweimal ein und lang aus.
- Im Mittagstief: aufstehen und fünf Minuten gehen. Dafür gibt es bessere Belege als fürs Atmen.
- Zum Feierabend: drei Minuten ruhig atmen, dann den Laptop zuklappen.
- Vor einem Call oder Meeting: Vor einer gestellten Bewerbungsrede dämpften fünf Minuten Atmen mit langem Ausatmen den Anstieg von Puls und Anspannung. Die Denkleistung danach war aber nicht besser.1 Ganz unauffällig: normal weiteratmen und alle 30 Sekunden einmal lang ausatmen. So hat es auch diese Studie gemacht.
- Nach einer stressigen E-Mail: Eine Minute zyklisches Seufzen, also zweimal durch die Nase ein und lang aus, senkte bei 47 Studierenden im Alltag die Anspannung stärker als nichts zu tun. In einem Aufmerksamkeitstest reagierten sie danach allerdings etwas langsamer. Eine Pilotstudie.2 Wie der Seufzer genau geht, steht im Artikel über den physiologischen Seufzer.
- Im Mittagstief: Wer an einem langen Sitztag jede Stunde fünf Minuten ging, hatte am Ende des Tages bessere Laune und war weniger müde.3 Gegen geistige Müdigkeit half eine 20-minütige Atemübung im Liegen dagegen nicht besser als ruhiges Liegen, nur die Stimmung war danach etwas besser.4
- Zum Feierabend: Wer nach der Arbeit gedanklich abschalten kann, ist im Mittel weniger erschöpft.5 Ein fester Übergang, etwa drei ruhige Minuten und dann den Laptop zu, kann dabei helfen. Untersucht ist so ein Ritual allerdings nicht.
Eine Minute am Schreibtisch
Diese Übung braucht keine Pausen und fällt niemandem auf. Atme 3 Sekunden leise durch die Nase ein und 6 Sekunden langsam aus, mit offenen Augen. In nowa heißt dieses Muster Kurzer Atem.
Eine Minute am Schreibtisch
3 Sekunden ein, 6 Sekunden aus, Augen offen
Langsam heißt dabei nicht tief. In einer Studie mit 46 Studierenden sank das Kohlendioxid beim langsamen Atmen nur etwa halb so stark, wenn sie gebeten wurden, nicht übertrieben tief zu atmen, und sie hatten weniger Beschwerden.6 Gerade am Schreibtisch passt das: Bei Denkarbeit atmen Menschen ohnehin eher schneller und etwas mehr als nötig.7
Was Studien zeigen
Zu Atemübungen im Büro gibt es nur wenige, kleine Studien, meist mit einer einzigen Sitzung im Labor:
- Nach Stress: 75 Berufstätige erholten sich nach Denkaufgaben und ärgerlichen Filmclips. Wer fünf Minuten mit einer App im Takt von sechs Atemzügen pro Minute atmete, hatte danach höhere Werte der Herzratenvariabilität als nach einem Body-Scan oder Stillsitzen. Die App-Firma war an der Studie beteiligt.8
- Im nachgebauten Büro: Bei 80 Studierenden hoben nach Stresstests fünf Minuten langsames Atmen nach einem Lichtstreifen am Bildschirm die Herzratenvariabilität stärker als passive Ruhe. Der gefühlte Stress sank aber in beiden Fällen gleich.9
- Vor einer Konzentrationsaufgabe: Fünf Minuten langsames Atmen änderten bei 48 Teilnehmenden im Mittel weder die Muskelspannung noch die Leistung in einem Konzentrationstest. Schnelles Atmen war die unbeliebteste Variante.10
- Über sechs Wochen: In einer Studie mit Beschäftigten der Staatstheater Stuttgart war tägliches Atemtraining mit Biofeedback nicht besser als die Warteliste. Weniger gestresst waren am Ende alle Gruppen, auch die Wartenden.11
- Kurze Pausen allgemein: Eine Auswertung von 19 Studien fand, dass Pausen bis zu zehn Minuten etwas mehr Energie geben und etwas weniger müde machen. Ob man dadurch mehr schafft, war nicht sicher zu zeigen.12
Für den messbaren Effekt auf die Herzratenvariabilität reichten in einer Studie fünf Minuten, länger brachte nicht mehr.13 Untersucht wurde jeweils die Technik, nicht die nowa-App. Unterm Strich: Eine kurze Atempause kann die Stressreaktion dämpfen und tut gut. Bessere Leistung verspricht dir keine dieser Studien.
Was über Atmen im Büro erzählt wird
- „Am Bildschirm halten wir den Atem an.“ Der Begriff „E-Mail-Apnoe“ stammt aus einem Blogbeitrag von 2008, gestützt auf Beobachtungen ohne Messung.14 Eine Studie dazu gibt es nicht. Eine Übersicht über 54 Studien fand bei Denkarbeit eher das Gegenteil: schnelleres Atmen und leichtes Überatmen.7
- „Eine Atempause macht X Prozent produktiver.“ Für solche Prozentzahlen habe ich keine Studie gefunden. Kurze Pausen verbesserten die Leistung im Mittel nicht sicher.12
- „Atmen schlägt Kaffee.“ Einen Vergleich gibt es nicht. Die einzige Studie, die ich fand, prüfte Atmen zusätzlich zu Koffein, mit 15 E-Sportlern.15
- „Pausen zwischen Meetings senken nachweislich Stress.“ Die oft zitierte Studie von Microsoft ist ein Firmenbericht mit 14 Personen, nicht fachlich begutachtet, und in den Pausen wurde meditiert, nicht geatmet.16
- „Krummes Sitzen nimmt dir die Luft.“ Stark zusammengesunken sanken die Werte bei maximaler Atmung um etwa 7 bis 9 Prozent.17 Für das ruhige Atmen am Schreibtisch ist ein Nachteil nicht gezeigt. Aufrichten ist eine Einladung, keine Pflicht.
Was Atemübungen nicht ersetzen
Eine Atempause ist etwas für dich. Machbare Arbeit und echte Pausen sind dagegen Sache des Betriebs. In Deutschland muss der Arbeitgeber auch psychische Belastungen bei der Arbeit beurteilen und dafür sorgen, dass Bildschirmarbeit durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen wird.18, 19
Atemübungen sind eine Pause für dich, keine Behandlung. Übe im Sitzen und nie am Steuer, auch nicht auf dem Weg zur Arbeit; im Zug oder Bus geht es. Atme langsam, nicht tief, und lass lange Atempausen und schnelles, kräftiges Atmen am Arbeitsplatz weg. Wird dir schwindelig oder kribbelt es, hör auf und atme normal weiter. Wenn dich Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Angst über Wochen begleiten, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten. Bei Brustschmerz, starker Atemnot oder Herzrasen ruf die 112 an.
Häufige Fragen
- Welche Atemübung passt ins Büro?
- Eine langsame mit längerem Ausatmen, leise, mit offenen Augen und ohne lange Pausen. So haben es auch die meisten Studien gemacht.1, 9
- Wie lange muss ich atmen?
- Für etwas weniger Anspannung genügte in einer Pilotstudie eine Minute.2 Für den messbaren Effekt auf die Herzratenvariabilität reichten fünf Minuten, 20 brachten nicht mehr.13
- Gibt es die Bildschirm-Apnoe wirklich?
- Dafür gibt es keine Studie. Der Begriff stammt aus einem Blogbeitrag von 2008.14 Gemessen wurde bei Denkarbeit eher schnelleres Atmen.7
- Was hilft gegen das Mittagstief?
- Kurz aufstehen und gehen ist besser belegt als eine Atemübung.3, 4 Danach kannst du im Sitzen noch ein paar ruhige Atemzüge nehmen.
- Macht eine Atempause produktiver?
- Das ist nicht verlässlich belegt. Kurze Pausen geben im Mittel etwas mehr Energie, die Leistung stieg aber nicht sicher.12
- Kann ich Box Breathing im Büro machen?
- Ja. Vor einer gestellten Rede wirkte es ähnlich wie langes Ausatmen.1 Die Pausen machen es aber etwas anstrengender und auffälliger. Wie es geht, steht im Artikel über Box Breathing.
- Darf ich auf dem Weg zur Arbeit üben?
- Im Zug oder Bus ja. Am Steuer nie, auch keine Atempausen. Im Auto erst nach dem Parken.
Dieser Artikel informiert allgemein über Atemübungen für Entspannung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. nowa ist kein Medizinprodukt. Übe nur, solange es sich angenehm anfühlt. Wenn dir schwindelig wird, du Atemnot, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder starke Angst bemerkst: Hör auf und atme normal weiter. Wenn du eine Erkrankung hast (zum Beispiel am Herzen, an der Lunge oder Epilepsie) oder schwanger bist, sprich vor neuen Atemübungen mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ändere eine verordnete Behandlung nie auf eigene Faust.
Quellen
- McAllister MJ, Martaindale MH, Sutton N, Andersen JP (2026). Box breathing and prolonged exhalation reduces markers of physiological stress reactivity in response to a virtual trier social stress test. Comprehensive Psychoneuroendocrinology 27:100360. doi.org/10.1016/j.cpnec.2026.100360
Randomisierte Studie, 66 junge Erwachsene, eine Sitzung - Riedl EM, Bracklo T, Wimmer K, Perzl J, Gdynia HJ, Thomas J, Surzykiewicz J (2026). Simply breathing anxiety away? A pilot, just-in-time ecological momentary intervention study of one-minute cyclic sighing versus box breathing as tools for acute anxiety reduction and attention promotion in real life. Anxiety, Stress, & Coping 39(5):608–622. doi.org/10.1080/10615806.2026.2659809
Vorab registrierte Pilotstudie im Alltag, 47 Studierende - Bergouignan A, Legget KT, De Jong N, Kealey E, Nikolovski J, Groppel JL, Jordan C, O'Day R, et al. (2016). Effect of frequent interruptions of prolonged sitting on self-perceived levels of energy, mood, food cravings and cognitive function. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity 13(1):113. doi.org/10.1186/s12966-016-0437-z
Randomisierte Crossover-Studie, 30 Erwachsene - Uemori K, Shimozawa Y, Suga T, Isaka T, Terada M (2026). Effects of Brief Breathwork Under a State of Cognitive Fatigue on Subjective Well-Being and Diaphragm Function: A Randomized Crossover Design. Stress and Health 42(5):e70234. doi.org/10.1002/smi.70234
Randomisierte Crossover-Studie, 20 Studierende - Wendsche J, Lohmann-Haislah A (2016). A Meta-Analysis on Antecedents and Outcomes of Detachment from Work. Frontiers in Psychology 7:2072. doi.org/10.3389/fpsyg.2016.02072
Meta-Analyse, 38.124 Beschäftigte - Szulczewski MT (2019). An Anti-hyperventilation Instruction Decreases the Drop in End-tidal CO2 and Symptoms of Hyperventilation During Breathing at 0.1 Hz. Applied Psychophysiology and Biofeedback 44(3):247–256. doi.org/10.1007/s10484-019-09438-y
Randomisierte Studie, 46 Studierende - Grassmann M, Vlemincx E, von Leupoldt A, Mittelstädt JM, Van den Bergh O (2016). Respiratory Changes in Response to Cognitive Load: A Systematic Review. Neural Plasticity 2016:8146809. doi.org/10.1155/2016/8146809
Systematische Übersicht, 54 Studien - Chelidoni O, Plans D, Ponzo S, Morelli D, Cropley M (2020). Exploring the Effects of a Brief Biofeedback Breathing Session Delivered Through the BioBase App in Facilitating Employee Stress Recovery: Randomized Experimental Study. JMIR mHealth and uHealth 8(10):e19412. doi.org/10.2196/19412
Randomisierte Laborstudie, 75 Beschäftigte, App-Anbieter beteiligt - Canazei M, Glenzer L, Staggl S, Dresen V, Weninger J, Weiss EM (2025). Light-guided resonant breathing enhances psychophysiological stress recovery in a simulated office environment. Scientific Reports 15(1):40953. doi.org/10.1038/s41598-025-24813-y
Randomisierte Crossover-Studie, 80 Studierende - Liang WM, Xiao J, Ren FF, Chen ZS, Li CR, Bai ZM, Rukšenas O (2023). Acute effect of breathing exercises on muscle tension and executive function under psychological stress. Frontiers in Psychology 14:1155134. doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1155134
Crossover-Studie, 48 Teilnehmende - Brinkmann AE, Press SA, Helmert E, Hautzinger M, Khazan I, Vagedes J (2020). Comparing Effectiveness of HRV-Biofeedback and Mindfulness for Workplace Stress Reduction: A Randomized Controlled Trial. Applied Psychophysiology and Biofeedback 45(4):307–322. doi.org/10.1007/s10484-020-09477-w
Randomisierte Studie, 52 Beschäftigte - Albulescu P, Macsinga I, Rusu A, Sulea C, Bodnaru A, Tulbure BT (2022). „Give me a break!“ A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. PLoS One 17(8):e0272460. doi.org/10.1371/journal.pone.0272460
Meta-Analyse, 2.335 Teilnehmende - You M, Laborde S, Zammit N, Iskra M, Borges U, Dosseville F (2021). Single Slow-Paced Breathing Session at Six Cycles per Minute: Investigation of Dose-Response Relationship on Cardiac Vagal Activity. International Journal of Environmental Research and Public Health 18(23):12478. doi.org/10.3390/ijerph182312478
Crossover-Studie, 59 Teilnehmende - Stone L (2008). Just Breathe: Building the case for Email Apnea. HuffPost, 8. Februar 2008. huffpost.com
Meinungsbeitrag, ohne Messung - Arslan S, Akçay B, Türkmen OB, Mutlu EK (2026). Synergistic effects of caffeine, l-theanine, and diaphragmatic breathing on esports performance: A randomized controlled crossover trial. Nutrition Research 151:26–36. doi.org/10.1016/j.nutres.2026.04.007
Crossover-Studie, 15 E-Sportler - Microsoft WorkLab (2021). Research Proves Your Brain Needs Breaks. 20. April 2021. microsoft.com/worklab
Firmenbericht, 14 Personen, nicht fachlich begutachtet - Aramaki Y, Kakizaki F, Kawata S, Omotehara T, Itoh M (2021). Effects of the posterior pelvic tilt sitting posture on thoracic morphology and respiratory function. Journal of Physical Therapy Science 33(2):118–124. doi.org/10.1589/jpts.33.118
Laborstudie, 18 junge Männer - § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Beurteilung der Arbeitsbedingungen. gesetze-im-internet.de/arbschg/__5.html
Gesetz - Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang Nr. 6.1: Allgemeine Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze. gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/anhang.html
Verordnung
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